Nerede bu arasındazwischen?

Istanbul’da mi, Berlin’de mi, yoksa sadece kalbimde mi?

Bende bilmem. Hadi bakalım, arasindazwischen aramak için.

Ein freier Tag, Name, Domain, Gedanken, Sehnsucht, alles da. Kann losgehen, jetzt wird gebloggt. Suchen wir das arasindazwischen, hier und dort, dort und hier.

Das arasindazwischen ist da, immer, manchmal leise, oft laut. Je größer gesellschaftliche Widersprüche sich auftun, sichtbar werden, desto größer wird das arasindazwischen. Mit dem Eifer, welchen die machthabenden Akteur*innen in der Türkei sich demokratischer Realitäten entledigen, wächst es exponentiell – das Herz ist bei den Demokrat*innen in der Türkei, die Sehnsucht nach einer anderen Türkei füllt das arasindazwischen gänzlich aus. Natürlich ist damit auch immer die Sehnsucht nach einer anderen, gerechteren Welt verbunden, aber grad ist dafür wenig Platz im arasindazwischen. Dabei ist die Abkehr (wenn es denn jemals eine Hinkehr gab) von Menschenrechten und Demokratie, nicht auch eine Abkehr vom Westen hin zu irgendeiner anderen Himmelsrichtung. Der Westen, wer auch immer das ist, hat diese Ideale nämlich weder erfunden noch gepachtet, noch kann er irgendeine andere legitimatorische Grundlage dafür anführen, die Definitionshoheit über diese zu haben. Die Abkehr von Menschenrechten und Demokratie ist daher immer die Abkehr von den Menschen selbst und von der Vision einer anderen Welt, aber sicher nicht die von Geflüchteten-Deal-Europa, Waffenexporte-und-Rüstungsausgaben-Big-Player-Deutschland, vom Westen oder von irgendeinem einem anderen geographisch lokalisierbaren Ort.

arasindazwischen, zum Beispiel im Widerspruch dessen, wenn auf der Arbeit eigentlich die große Transformation angegangen, zumindest vorbereitet werden soll, mindestens aber Gerechtigkeit, Freiheit und überhaupt, stattdessen aber Stunden an Tagesordnungsabstimmungen, Ideenver- oder gar nicht erst –aufwerfen verloren gehen. Die Zeit kommt nicht zurück, die Gerechtigkeit nicht von allein, aber ich bestell, nachdem ich in wochenlangen Prozessen Minuten- und Erwartungsjonglage mit der Tagesordnung zum nächsten Arbeitstreffen betrieben, erst mal den Imbiss für die Mittagspause des Treffens.

Panzer fahren nach Syrien, Taner Kiliç wird freigelassen und direkt wieder inhaftiert und ich stehe vor der Entscheidung, fränkische Kartoffelsuppe mit Brotbeilage oder halbe Brötchen mit Aufstrich und Gurkengarnitur. Aber wie viele Brötchen sollen es denn sein? Wie viele Panzer fahren, wie viele Menschen sterben und was macht die CHP? Die wünscht sich, dass die Mehmetçik wohlbehalten zurückkommen. Ich wünsche mir, dass sie nicht zurück kommen weil sie das nämlich gar nicht können sollen, da sie nie gegangen sind. Was ist das für ein Land, dass seinen Soldat*innen Kosenamen gibt, überhaupt einen derart komischen Umgang mit seinem Militär und seiner Idee einer Nation, eines Staates pflegt, dass es vergessen hat, dass keine irgendwie geartete Idee der vorgenannten Kategorien es wert ist, sich gegen den Frieden durchzusetzen – einen Frieden, der echte, diverse Teilhabe derer ermöglicht, die dieses Land lieben? Das Ärzt*innen inhaftiert dafür, dass sie öffentlich feststellen, dass Krieg schlecht für die Gesundheit der Menschen sei?

Und dann fragst du mich, warum die Menschen in der Türkei sich nicht gegen Erdogan wehren. Wogegen wehrst du dich, welche Konsequenzen bist du bereit für deine Vision einer gerechteren Welt auf dich zu nehmen, wann sprichst du laut gegen das Unrecht vor deinen Augen, auch wenn du weißt, dass deinem eigenen Wohlbefinden abträglich sein könnte? Wann ich das mache, fragst du zurück? Viel zu selten, kann ich dir sagen. Daher nun dieser Blog, Mahnung und Ansporn soll er sein, an dich und mich, an uns.

Dieses Land, diese Türkei, dieses Deutschland, diese Welt ist auch mein Land. Ich wünsche mir, dass in meinem arasindazwischen irgendwann wieder Platz für etwas Anderes als Sehnsucht ist.

Und jetzt?

Ich werde den Schwarzenauer Gemüseeintopf mit Brötchen für den Termin bestellen, ein bisschen Sehnsucht ins arasindazwischen schütten, und warten auf den Moment, dass mir jemand Bescheid sagt, dass es nun am Schlimmsten ist, dass wir nun alle keine Wahl mehr haben als aufzustehen, für eine andere Türkei, ein anderes Deutschland, ein anderes Europa, eine andere Welt. Bis dahin werde ich hier bloggen. In Zukunft auch mit geordneteren Gedanken, roten Fäden und dem ganzen Krams, versprochen, aber der Wust musste erstmal weg, für den Anfang.

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